In ihrer Kunst gibt es, vereinfachend gesagt, zwei Konstanten: einen hohen Vereinfachungsgrad in der Form und eine Fokussierung auf die Farbe Rot. (...)
Seit Mitte der 80er Jahre wird die Farbe Rot mehr und mehr zur alles bestimmenden Komponente. Die Entscheidung für diesen „roten Faden“ lässt sich, nach Auskunft der Künstlerin, nicht auf ein bestimmtes Ereignis zurückführen. Unübersehbar stellt aber eine Italienreise im Februar 1990 einen Wendepunkt dar. (...) Ihre Kunst wird durch diese Erfahrung tiefgehend beeinflusst. Insbesondere Zinnoberrot übt bis heute auf sie einen besonderen Sog aus. In ihrer Kunst sind es aber alle möglichen Rottöne, die ihr Werk zum Klingen bringen. (...)
Jeder Farbklang, jedes ikonografische Feld hat Panorama und Erinnerung, weitet sich, trotz der kleinen Form, ins Große. Diverse Variationen lang verliert sich dieses Schweben zwischen Vitalität und gedimmtem Gefühl nicht. Das ist wirklich erstaunlich. Manches klingt aber auch nach Moll, dessen Pathos auf der Watte der Melancholie gebettet ist. Es kommt insofern nicht von ungefähr, dass die Künstlerin „Pathos“ als das Thema dieser Ausstellung gewählt hat. (...)
Andrea Engelmann ist eine Meisterin des Raffinements. Wie sie ganz kreatürlich und ohne sich etwas auszudenken an Oberflächen, Strukturen und Farbtönen oder Farbtonzusammenstellungen arbeitet, das grenzt an Sinneszauber. Und doch klingt alles pur, wird von Bescheidenheit getragen, wirkt gänzlich authentisch. Die Botschaften, die da aufscheinen, kommen aus ihrem Innersten.

Christoph Tannert, aus der Rede zur Ausstellungseröffnung von Andrea Engelmann, EWE Kunstparkhaus, Strausberg, 15.05.2012
 
  In der Malerei von Andrea Engelmann geht es um eine klare, minimalistische und dabei unverbrauchte Bildsprache jenseits von artifizieller Geschicklichkeit. Die innere Motorik des Skripturalen war ein Ansatzpunkt - Reihungen, Schwünge, Verdichtungen, durch die eine sperrig und offen bleibende flächige Bildordnung entsteht. Daneben kam es zu einer Verfestigung der sparsam modulierten Flächenformen, zur flächenschließenden Zusammenballung von Farbmasse. Runde oder auch unrund kreisende Formen, Segmente der Rundung führten zu figurativen Motiven ohne den Weg einer Herleitung über die Abstraktion. Die Formfindungen wurden durch Montage und Collage erweitert. In der Konsequenz entstanden Variationen einfacher oder zusammengesetzter Formen und Bewegungen, Bauchungen, Streifenlagen, flache Figurinenformen. Rot dominiert, häufig monochrom bzw. moduliert durch die Bewegung des Zeichnens. Auch das helle Rot wirkt in diesen Blättern nicht leicht, nicht freudig, aber doch oft wie gehoben. Die Farbe wird nicht hergeleitet und kultiviert, sie ist da als abgestuftes und vielfältiges Material. Sie hat natürlich emotionale Bedeutung und wirkt als Ausdruckscharakter. Was man als das Expressive versteht, gibt es hier nicht, es fehlt das Forcierte, Übersteigerte. Viele Blätter sind als Zeichnung im Sinne des Notats zu verstehen, Ideen und Versuche, die manchmal von selbst den Charakter des Bildhaften annehmen, indem sie selbstverständlich wirken. Die bildnerischen Gedanken verketten sich in zeichnerischen und malerischen Modulationen oder durch die Montage zu dynamischer Bewegung, wie auch zur statischen Festigkeit von Figurinentafeln, die dann wiederum Ausgangspunkt spielerischer Formenhandhabung werden.

Jens Semrau, 2012